Samstag, 30. Juli 2016

1. Tag der Trinkhallen - Büdchenliebe im Pott

Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Geboren und aufgewachsen im grünen Süden des Reviers, direkt an der Ruhr. Schon lange lebe ich nicht mehr im Pott, aber so einiges wird mir wohl einfach für immer und ewig im Blut bleiben. Die Sprache, die Offenheit, die Fähigkeit versteckte Schönheiten erkennen zu können, eine gewisse Faszination für Fußball (bei mir halt nur ein mini bisschen) und eben meine Büdchenliebe. Über diese Liebe habe ich schon einmal geschrieben, jetzt möchte ich mich ihr etwas ausführlicher widmen. Grund dafür ist zu allererst mein Bruder. Der fotografiert nämlich seit mehreren Jahren Büdchen, auch Trinkhallen genannt. Auf Instagram zeigt er als einzweilicht sein Schaffen. Und ich wollte mich schon lange mal an seinem Büdchenbildervorrat bedienen, zu viele Schätzkes hat er nämlich bereits abgelichtet, die unbedingt ans Tageslicht geholt werden müssen.


Zum anderen findet am 20. August der 1.Tag der Trinkhallen statt. An dem wird unter dem Motto „Kumpels, Klümpchen & Kultur“ der Kiosk als Begegnungsort der Kultur und der Kulturen gefeiert. An 50 ausgewählten Buden findet ein Kulturprogramm statt. Das verrät mir alles die Homepage Tag der Trinkhallen, auf der es noch viele Infos über die Trinkhallen, deren Geschichte und Entwicklung gibt. Früher Anlaufpunkt um sich nach der Maloche zu erfrischen, sind die Trinkhallen heute meist Kioske mit großem Angebot für den täglichen Bedarf. Seit die Ladenöffnungszeiten immer weiter ausgedehnt wurden, stirbt das Büdchen. Daher finde ich es schön, dass jetzt mal ein wichtiger Teil der regionalen Identität des Ruhrgebiets zumindest mal einen Tag richtig schön im Mittelpunkt steht.

Mal gefragt was andere Ruhrpottbewohner so an Erinnerungen an Trinkhallen haben, läuft es oft auf Kindheitserinnerungen hinaus. Bömmsken, Klümpchen, Eis und den absoluten Klassiker: Die Gemischte Tüte! Für eine Mark gab es, von allen lose in gestapelten Plastikboxen direkt am Fenster gelagerten Süßigkeiten, 1 oder 2 Klümpchen in eine Papiertüte gepackt. Wofür hat man sonst Taschengeld bekommen oder ist mit Nachbars Hund Gassi gegangen? Natürlich um das Geld zum Büdchen zu tragen.


"Gemischte Tüte. Auf jeden Fall saure Gurken und Himbeerbömskes." - Suse

"Spontan fällt mir da mein damaliger Eisfavorit "Doppelpin" ein. Omma Haferkamp hat immer ein bisken am Papier rumgeschabt und nachgeguckt, ob da ein rotes drin war - sehr kundenorientiert. Andere Farben mochte ich nicht. Man konnte bei der auch für 20 Pfennig "gekratzte" Bonbons kaufen, sprich die Reste aus den Gläsern. Dat gabet auch nur bei der am Büdchen!" - Martina 

Was mich außerdem mit der Trinkhallenkultur im Ruhrgebiet verbindet? Meine Mutter hat für ein paar Jahre hinter einem Kiosktresen gestanden und dort so einiges erlebt. Man kann Sie wohl getrost als "Original" betiteln. Wechselte der Kiosk den Besitzer, dann lief meine Mutter als "Inventar" und wurde mit der Bude verkauft. Es gab Stammkunden, die kamen einfach nur zum reden, andere für die tägliche Flasche Schnaps, Arbeiter zur Mittagspause, Kinder für die gemischte Tüte und sowieso stets anzutreffen war immer ein Teil der Nachbarschaft und Angestellte der angrenzenden Geschäfte. Der Kiosk war der Treffpunkt für Klatsch und Tratsch im Viertel. Meine Mutter nennt ihren damaligen Arbeitsplatz "Kommunikationszentrale". Auch nach über 10 Jahren wird Sie dort immer noch von den Anwohnern gegrüßt und es wird für ein Schwätzchen stehen geblieben.

Und jetzt Schluss mit dem Palavern, ich zeige jetzt mal die Fundstücke die mein Bruder mir zur Verfügung gestellt hat. Viel Spaß beim schauen!






































































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