Donnerstag, 27. Oktober 2016

Kunterbunter Schwarzwald - Herbst am Belchen und Feldberg

Da ich gar nicht so viel unternehme aktuell, habe ich passend zur Jahreszeit einen Artikel aus den letzten Tagen im September 2015 aus dem Archiv gezaubert. Mit etwas Wehmut denke ich an die schönen Tage im Schwarzwald zurück... ich hoffe bald geht es mal wieder los in Richtung Berge!

Kinners, ich war im Schwarzwald. Jetzt mal so richtig. Nicht im Nordschwarzwald, nein! Im Südschwarzwald. Bei den hohen Bergen und den tiefen Tälern. Besucht habe ich das Belchen und den Feldberg. Beide bin ich hinauf gelaufen, habe sie umrundet und bin wieder runter gelaufen. Ich musste nicht so viele Höhenmeter hinter mich bringen wie in den Alpen, dafür waren die Wanderungen umso länger. Und ganz schön schön nebenbei auch. Herbstzauber durfte ich erleben, mit roten Blaubeerbüschen und gelben Gras. Und mit Blicken auf weiche, runde Schwarzwaldhügel. Die so oft gepreiste Alpensicht wurde mir vom Wolkengott jedoch leider verwehrt.


Gewohnt haben wir in Todtnauberg, auf über 1.000 m. Dort haben wir Freitagnachmittag unsere Ferienwohnung bezogen und sind in der verbleibenden Tageshelligkeit noch zu den Stübenwasen rauf gestiefelt. Vorbei an friedlich grasenden Schwarzwaldkühen und durch wunderschön leuchtende rote Blaubeerbüsche. Leider hat es die Sonne nicht mehr hinter den Wolken her geschafft, trotzdem hat der kleine Ausflug sich gelohnt. Er bescherte uns einen schönen Ausblick auf den Feldberg und gab einen Eindruck von der Stille und der klaren Luft, die der Philosoph Martin Heidegger so an Todtnauberg schätze. Er hatte hier eine kleine Hütte und hat in dieser Abgeschiedenheit viel geschrieben und nachgedacht. Kann man gut in Todtnauberg.


Am nächsten Tag ging es mit dem Auto zum Parkplatz der Belchenbahn und zu Fuß hinauf auf den Gipfel. Auch wenn wir keinen Alpenblick hatten, ich fand es dort oben auch so ganz nett. Das Wolkenspektakel über und neben uns war filmreif. Und ganz kurz kam sogar mal die Sonne hervor. War das schön!


Nach ausgiebiger Pause auf dem Belchengipfel und einem Stück Schwarzwälderkirschtorte im Belchenhaus ging es dann an den Abstieg. Und an die nächste Pause. Und dann wieder an den Abstieg. 


Ganz besonders das Wegstück über den Hochkelch-Sattel zurück zum Parkplatz war eine wahre Freude. Schön gemütlich bergab, die Landschaft in junge Herbsttöne getaucht, zauberhafte Fernblicke und kleine Wege durch urige Wälder. Sehr abwechslungsreich und nach dem Trubel auf dem Belchen auch entspannt unüberlaufen. Und ruck zuck war die Wanderung auch schon zu Ende. 11 wirklich lohnenswerte Kilometer waren das.


Auf dem Rückweg haben wir noch kurz am Todtnauer Wasserfall Halt gemacht. Er ist mit 97 Metern der höchste Wasserfall Deutschlands. Über insgesamt vier Stufen fällt er ins Tal. Die höchste Stufe ist 60 Meter hoch. Wisst ihr Bescheid!



Am nächsten Tag rief der Feldberg. Auf dem höchsten Berg des Schwarzwalds (1.493 Meter) war ich noch nie. Darum, auf zum Gipfel. Erstmal haben wir den "Vorgipfel", den Seebuck erklommen, denn der Feldberg ist kein frei stehender Berg, sondern eher ein kleines Missiv. Auf dem Seebuck sind wir mit hunderten anderen Wanderern und teils doch sehr großen, lärmenden Wandergruppen bei eisigem Wind und nur 6° Celsius rüber zum Feldberg marschiert. Erst als wir dem Feldbersteig immer weiter bergab folgten, wurde es etwas ruhiger, leider aber kaum wärmer. Ich war froh Mütze und Handschuhe dabei gehabt zu haben. Merke: Auf dem Feldberg ist es oft sehr kalt und du bist nie allein.


Der Feldbergsteig ist eine der Top-Touren über das höchste Schwarzwald-Bergmassiv. Und das auch zu Recht, er bietet abwechslungsreiche Panoramen, es gibt einige schöne Hütten um einzukehren auf der Runde und naturnahe Wurzelpfade die gut zu laufen sind. Besonders schön fand ich den Abschnitt vor der Zastlerhütte. Hier waren die Feldberghänge wirklich kunterbunt in alle erdenklichen Herbstfarben getaucht. Ein echtes Naturspektakel. Leider fehlte uns das Sonnenlicht, so haben wir nur eine abgespeckte Variante ohne Licht zu sehen bekommen. War aber auch sehr eindrucksvoll.


Und Torte gab es auch noch. Zwar nicht auf der hier zu sehenden Zastlerhütte, sondern auf der Baldenweger Hütte, aber von der hab ich kein Foto. Nur von der schicken Torte. Immerhin!


Am Ende der Wanderung wartet noch der Feldbergsee auf den müden Wandersmann und die noch müdere Wandersfrau. Den konnte man ein paar Stunden zuvor vom Bismarck-Denkmal aus von oben bewundern. Baden ist hier verboten, aber sitzen und schauen ist gratis. Danach geht es nochmal ordentlich bergauf und schon ist der Ausgangspunkt der Wanderung wieder erreicht.


Das waren 2 sehr schöne Runden, tagesfüllend aber gut machbar. Uns hat die Sonne leider etwas hängen lassen, ich habe mordsmäßig gefroren, aber dafür gabs lecker Torte und viele warme Farben in der Natur. Danke Schwarzwald!


Wer auch mal im Südschwarzwald unterwegs ist, ich empfehle reinen Gewissens die beiden Touren die wir an dem Wochenende gelaufen sind.

Gelaufen sind wir die Touren 25 und 31 aus dem Rother Wanderführer "Schwarzwald Süd".

25 (rot): "Feldberg - Zastlerhütte - Feldsee", 12,8 km und 593 m Höhenunterschied.
31 (rot): "Jägerstüble - Belchen - Böllner Eck", 10,9 km und 624 m Höhenunterschied.

Noch mehr bunte Herbstbilder gibt es bei Instagram und auf Facebook.

Samstag, 30. Juli 2016

1. Tag der Trinkhallen - Büdchenliebe im Pott

Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Geboren und aufgewachsen im grünen Süden des Reviers, direkt an der Ruhr. Schon lange lebe ich nicht mehr im Pott, aber so einiges wird mir wohl einfach für immer und ewig im Blut bleiben. Die Sprache, die Offenheit, die Fähigkeit versteckte Schönheiten erkennen zu können, eine gewisse Faszination für Fußball (bei mir halt nur ein mini bisschen) und eben meine Büdchenliebe. Über diese Liebe habe ich schon einmal geschrieben, jetzt möchte ich mich ihr etwas ausführlicher widmen. Grund dafür ist zu allererst mein Bruder. Der fotografiert nämlich seit mehreren Jahren Büdchen, auch Trinkhallen genannt. Auf Instagram zeigt er als einzweilicht sein Schaffen. Und ich wollte mich schon lange mal an seinem Büdchenbildervorrat bedienen, zu viele Schätzkes hat er nämlich bereits abgelichtet, die unbedingt ans Tageslicht geholt werden müssen.


Zum anderen findet am 20. August der 1.Tag der Trinkhallen statt. An dem wird unter dem Motto „Kumpels, Klümpchen & Kultur“ der Kiosk als Begegnungsort der Kultur und der Kulturen gefeiert. An 50 ausgewählten Buden findet ein Kulturprogramm statt. Das verrät mir alles die Homepage Tag der Trinkhallen, auf der es noch viele Infos über die Trinkhallen, deren Geschichte und Entwicklung gibt. Früher Anlaufpunkt um sich nach der Maloche zu erfrischen, sind die Trinkhallen heute meist Kioske mit großem Angebot für den täglichen Bedarf. Seit die Ladenöffnungszeiten immer weiter ausgedehnt wurden, stirbt das Büdchen. Daher finde ich es schön, dass jetzt mal ein wichtiger Teil der regionalen Identität des Ruhrgebiets zumindest mal einen Tag richtig schön im Mittelpunkt steht.

Mal gefragt was andere Ruhrpottbewohner so an Erinnerungen an Trinkhallen haben, läuft es oft auf Kindheitserinnerungen hinaus. Bömmsken, Klümpchen, Eis und den absoluten Klassiker: Die Gemischte Tüte! Für eine Mark gab es, von allen lose in gestapelten Plastikboxen direkt am Fenster gelagerten Süßigkeiten, 1 oder 2 Klümpchen in eine Papiertüte gepackt. Wofür hat man sonst Taschengeld bekommen oder ist mit Nachbars Hund Gassi gegangen? Natürlich um das Geld zum Büdchen zu tragen.


"Gemischte Tüte. Auf jeden Fall saure Gurken und Himbeerbömskes." - Suse

"Spontan fällt mir da mein damaliger Eisfavorit "Doppelpin" ein. Omma Haferkamp hat immer ein bisken am Papier rumgeschabt und nachgeguckt, ob da ein rotes drin war - sehr kundenorientiert. Andere Farben mochte ich nicht. Man konnte bei der auch für 20 Pfennig "gekratzte" Bonbons kaufen, sprich die Reste aus den Gläsern. Dat gabet auch nur bei der am Büdchen!" - Martina 

Was mich außerdem mit der Trinkhallenkultur im Ruhrgebiet verbindet? Meine Mutter hat für ein paar Jahre hinter einem Kiosktresen gestanden und dort so einiges erlebt. Man kann Sie wohl getrost als "Original" betiteln. Wechselte der Kiosk den Besitzer, dann lief meine Mutter als "Inventar" und wurde mit der Bude verkauft. Es gab Stammkunden, die kamen einfach nur zum reden, andere für die tägliche Flasche Schnaps, Arbeiter zur Mittagspause, Kinder für die gemischte Tüte und sowieso stets anzutreffen war immer ein Teil der Nachbarschaft und Angestellte der angrenzenden Geschäfte. Der Kiosk war der Treffpunkt für Klatsch und Tratsch im Viertel. Meine Mutter nennt ihren damaligen Arbeitsplatz "Kommunikationszentrale". Auch nach über 10 Jahren wird Sie dort immer noch von den Anwohnern gegrüßt und es wird für ein Schwätzchen stehen geblieben.

Und jetzt Schluss mit dem Palavern, ich zeige jetzt mal die Fundstücke die mein Bruder mir zur Verfügung gestellt hat. Viel Spaß beim schauen!






































































Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...